Glaub keiner KI-Studie, die du nicht selbst geprüft hast

 
Wie prüfst du eine KI-Studie auf glaubhaftigkeit
 
 

Neulich bin ich über einen LinkedIn-Beitrag gestolpert, der mich stutzig gemacht hat.

Die Kernaussage: "In drei Jahren gibt's keine Websites mehr." Der Beweis dafür: eine Studie mit beeindruckenden Zahlen – 128 Marken, 13 Länder, über 160.000 ausgewertete Datenpunkte. Klingt nach solider Forschung, oder?

Also habe ich genauer hingeschaut. Und dabei ist mir wieder etwas bewusst geworden, das für uns alle wichtig ist, gerade jetzt, wo täglich neue "Studien" über KI durch unsere Feeds rauschen: Nicht alles, was aussieht wie Wissenschaft, ist auch welche.

Der Fall im Detail

Die besagte Studie kam zu dem Ergebnis, dass KI-Systeme wie ChatGPT oder Gemini bei Fragen zu Unternehmen zu fast 86 Prozent auf externe Quellen zurückgreifen – also nicht auf die Unternehmenswebsite selbst, sondern auf Presseberichte, Interviews und andere Drittquellen. Eine spannende Zahl, keine Frage.

Nur: Wer hat diese Studie eigentlich geschrieben? Ein einzelner Autor, der gleichzeitig Gründer eines Unternehmens ist, das genau solche Auswertungen als kostenpflichtiges Produkt verkauft. Die Daten stammen aus dem hauseigenen Tool. Eine unabhängige Prüfung durch andere Fachleute – im Wissenschaftsbetrieb "Peer Review" genannt – hat nicht stattgefunden. Und wer den Link zur Studie haben wollte, musste danach fragen, statt ihn einfach angezeigt zu bekommen.

Das heißt nicht automatisch, dass die Zahlen falsch sind. Aber es heißt: Hier hat jemand ein handfestes Interesse daran, dass genau dieses Ergebnis überzeugend klingt. Und das sollte man wissen, bevor man die Zahl selbst weiterträgt.

Warum das gerade jetzt so oft passiert

Seit KI-Tools jedem das Schreiben, Recherchieren und Aufbereiten von Inhalten leicht machen, entstehen "Studien" und "Analysen" am laufenden Band. Manche davon sind sauber gemacht. Viele andere sind im Kern Marketing mit wissenschaftlichem Anstrich – gut verpackt, mit beeindruckenden Zahlen, aber ohne die Sorgfalt, die man von echter Forschung erwarten würde.

Das Tückische daran: Solche Inhalte verbreiten sich oft schneller als seriöse Quellen, weil sie zugespitzter formuliert sind und einfacher in ein Zitat passen. Eine steile These wie "Websites sterben aus" klickt sich einfach besser als ein nüchternes "es kommt darauf an".

Fünf Fragen, die dir in Zukunft helfen

Du musst kein Wissenschaftler sein, um eine Studie realistisch einzuschätzen. Diese fünf Fragen reichen meistens schon:

1. Wer steckt dahinter – und verdient diese Person Geld mit dem Ergebnis?
Wenn der Autor oder die Autorin ein Produkt verkauft, das genau das Problem löst, das die Studie "entdeckt", ist Vorsicht angesagt. Das macht die Aussage nicht automatisch falsch, aber sie verdient einen zweiten Blick.

2. Wurde das Ganze unabhängig geprüft?
Echte wissenschaftliche Studien durchlaufen eine Prüfung durch andere Fachleute, bevor sie veröffentlicht werden. Viele Online-Veröffentlichungen – gerade im Netz kursierende PDF-Dokumente – tun das nicht. Das ist per se nichts Schlimmes, aber ein wichtiger Unterschied.

3. Woher kommen die Daten wirklich?
Stammen die Zahlen aus einer neutralen, überprüfbaren Quelle? Oder aus dem eigenen Tool, dem eigenen Kundenstamm, der eigenen Software? Je näher die Datenquelle am Geschäftsmodell des Autors liegt, desto genauer solltest du hinschauen.

4. Passt die Schlussfolgerung wirklich zu den Zahlen?
Das ist der Punkt, den viele übersehen. Eine einzelne Zahl (wie die 86 Prozent aus unserem Beispiel) beweist noch lange nicht die große These, die daraus gezogen wird ("Websites sterben aus"). Oft ist da ein gedanklicher Sprung, der sich gut anfühlt, aber logisch nicht wirklich trägt.

5. Kannst du die Quelle einfach nachlesen?
Eine echte Studie kannst du in der Regel direkt aufrufen. Wenn stattdessen "Link gerne auf Anfrage" dabei steht, ist das ein kleines Warnsignal – meistens geht es dann eher um Kontaktaufnahme als um Transparenz.

Was ich daraus mitnehme – und was du auch tun kannst

Es geht mir nicht darum, dir jede Studie madig zu machen. Es gibt sehr viele seriöse, gut gemachte Untersuchungen da draußen, gerade auch zu KI und ihren Auswirkungen auf Unternehmen. Es geht darum, den gesunden Riecher wieder mehr einzusetzen, den viele von uns eigentlich schon haben – nur im Trubel der täglichen Informationsflut manchmal vergessen.

Bevor du also das nächste Mal eine beeindruckende Zahl in einer Präsentation, einem Kundengespräch oder einem eigenen Beitrag verwendest: Nimm dir zwei Minuten und stell dir die fünf Fragen von oben. Das schützt nicht nur dich vor einem peinlichen Moment, falls jemand nachfragt – es macht dich auch selbst zu einer glaubwürdigeren Quelle. Und genau das ist am Ende das, was zählt.

Übrigens: Fast schon augenzwinkernd ist, dass ausgerechnet eine Studie über das Zitierverhalten von KI selbst ziemlich unkritisch weiter zitiert wurde. Ein gutes Beispiel dafür, wie leicht wir alle in diese Falle tappen können – auch dann, wenn wir es eigentlich besser wissen.

Wenn dir auch schon mal so eine Studie untergekommen ist, die auf den ersten Blick überzeugt hat und beim zweiten Hinschauen bröckelte – lass uns gern austauschen. Hier ist mein Link für ein Gespräch.

Liebe Grüße
Britta

 
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