Was Dr. Michael Bohne mir über “Innere Blockaden” gezeigt hat
Frieda und ich waren gut anderthalb Stunden unterwegs, die Kopfhörer drin, als ich stehen blieb und einen Satz zurückspulen musste.
Im Podcast „Hotel Matze" war Dr. Michael Bohne zu Gast – Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Sachbuchautor und Begründer der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie, kurz PEP. Zwei Stunden und fünfunddreißig Minuten lang ging es um die Frage, woran man merkt, dass das eigene Nervensystem eine Pause braucht, und welche inneren Blockaden uns heute besonders häufig im Weg stehen.
Ich höre viele Podcasts. Die wenigsten bringen mich dazu, mitten auf dem Deich stehen zu bleiben.
Fünf Blockaden, die die meisten von uns kennen – nur nicht beim Namen
Bohne beschreibt fünf Muster, die uns immer wieder ausbremsen: Vorwürfe gegen uns selbst, Vorwürfe gegen andere, Erwartungen daran, wie andere sich verhalten sollten, ein inneres Zurückfallen in alte, kleinere Rollen – und Loyalitäten, die uns emotional an Menschen oder Überzeugungen binden, obwohl sie uns längst nicht mehr weiterhelfen.
Diese Loyalitäten sind der Punkt, an dem ich am längsten hängen geblieben bin. Die Vorstellung, dass ein Teil von uns treu zu einer alten Geschichte steht – zu einem Elternteil, der selbst nie den Mut hatte, zu einer Überzeugung aus der eigenen Familie – und uns genau dadurch daran hindert, den nächsten Schritt zu gehen. Nicht aus Schwäche. Aus einer Art unbewusster Treue.
Wenn mehrere dieser Muster gleichzeitig wirken, wird es nach Bohne besonders zäh. Er nennt das scherzhaft das „Full-House-Syndrom" – und genau dieser Humor, mit dem er auch schwere Themen anfasst, war für mich einer der stärksten Eindrücke des Gesprächs.
Von der Blockade zur Kompetenz
Was mich am meisten überzeugt hat, ist der zweite Schritt in Bohnes Denken. Er bleibt nicht bei der Diagnose stehen, sondern zeigt, was aus den fünf Blockaden werden kann, wenn man sie erkennt und bearbeitet: Souveränität statt dem Zwang, gut sein zu müssen. Fehlertoleranz statt der Angst vor dem eigenen Scheitern. Spielfreude statt der Sorge, wie man auf andere wirkt. Unabhängigkeit statt der ständigen Suche nach Bestätigung. Und ein tragfähiges Selbstwertgefühl, das nicht von der Meinung anderer abhängt.
Daraus entwickelt er, was er die zentralen Krisenkompetenzen unserer Zeit nennt: Emotionen regulieren können, Komplexität reduzieren, statt sich in ihr zu verlieren, in Prozessen statt in fertigen Lösungen denken, Ambivalenzen aushalten können – und bei alldem eine Grundhaltung von Leichtigkeit, Zuversicht und Humor bewahren, auch wenn ein Thema schwer ist.
Warum mich das nicht nur privat beschäftigt
Ich arbeite seit so langer Zeit mit Menschen, die etwas aufgebaut haben und dabei sichtbar, bzw. sichtbarer werden wollen. Was mir dabei am häufigsten begegnet, ist nicht fehlendes Können. Es ist ein leiser innerer Vorwurf, eine übernommene Erwartung, eine Loyalität zu einer alten Vorstellung davon, wieviel Raum man einnehmen darf.
Genau deshalb hat mich das Gespräch so gepackt. Wenn mehr Menschen diese fünf Muster bei sich selbst erkennen würden – nicht als Diagnose, sondern als ersten Schritt zur Eigenverantwortung – würde sich das nicht nur in einzelnen Leben zeigen. Es würde sich auch darin zeigen, wie wir miteinander sprechen, wie viel Raum wir einander für Fehler lassen und wie viel Leichtigkeit wir uns gegenseitig zugestehen, gerade in Zeiten, die ohnehin schon viel Ernst mit sich bringen.
Klarheit über die eigenen Blockaden ist am Ende nichts anderes als Eigenverantwortung. Und genau das ist einer der Werte, die meine Arbeit von Anfang an geprägt haben.
Persönliches Fazit
Ich bin keine Therapeutin und werde mich nicht an der Einordnung von PEP als Methode versuchen. Aber als Zuhörerin nehme ich aus diesem Gespräch mehr mit als aus den meisten Artikeln, die mir in den letzten Monaten begegnet sind. Wer sich für das Thema interessiert, dem lege ich die Folge von Herzen ans Hören nahe – gern bei der nächsten längeren Gassi-Runde.
Wenn du magst, erzähl mir, welches der fünf Muster dir am ehesten bekannt vorkommt. Ich lese jede Rückmeldung.
Liebe Grüße
Britta
Britta Hänel ist Strategin für digitale Markenauftritte und zertifizierte Digital Marketing Managerin mit Spezialisierung auf SEO und Content-Management. Als Squarespace Circle Gold Member setzt sie ihre Strategien direkt in der Umsetzung um. Mit über 35 Jahren Erfahrung in Vertrieb, Marketing und Kommunikation begleitet sie Solopreneure und Selbstständige 40+ in der DACH-Region dabei, digital so wahrgenommen zu werden, wie sie tatsächlich arbeiten. Sie lebt und arbeitet in Ostfriesland, gemeinsam mit ihrem Labrador Frieda.